{"id":150,"date":"2012-08-03T14:24:45","date_gmt":"2012-08-03T14:24:45","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress.nkisiland.com\/?p=150"},"modified":"2012-08-03T14:24:49","modified_gmt":"2012-08-03T14:24:49","slug":"baden-wurttembergs-erster-schwarzer-burgermeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress.nkisiland.com\/?p=150","title":{"rendered":"Baden-W\u00fcrttembergs erster schwarzer B\u00fcrgermeister"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Ort bei Heidelberg hat den ersten schwarzen B\u00fcrgermeister Baden-W\u00fcrttembergs gew\u00e4hlt. John Ehret war schon als Kind ein Star in der Gemeinde Mauer, arbeitete sp\u00e4ter beim BKA. Seine Hautfarbe war nie ein Problem, sagt er. Heute tritt der 40-J\u00e4hrige sein Amt an.<\/strong><\/p>\n<p>von Jan S\u00f6fjer (spiegel online) (gek\u00fcrzt)<\/p>\n<div>\n<div>\n<div><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bild-836281-357914.html\"> <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cdn1.spiegel.de\/images\/image-357914-panoV9free-lxqp.jpg\" alt=\"B\u00fcrgermeister Ehret: Obama - Ehret, Amerika - Mauer\" width=\"520\" height=\"250\" align=\"middle\" border=\"0\" \/> <\/a><\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>John Ehret hat kaum Wahlkampf gemacht. Er hat keine Plakate aufgeh\u00e4ngt, keine Hochglanz-Brosch\u00fcren in die Briefk\u00e4sten geworfen, keine Klinken geputzt und erst als letzter von f\u00fcnf Bewerbern seine Kandidatur bekannt gegeben. Trotzdem holte er in der Stichwahl 58,1 der Stimmen. Das fr\u00fcher so konservative Baden-W\u00fcrttemberg hat nun nicht nur einen gr\u00fcnen Ministerpr\u00e4sidenten, sondern auch einen schwarzen B\u00fcrgermeister &#8211; den ersten im Bundesland. Diesen Freitag tritt er in der 4000-Seelen-Gemeinde Mauer bei Heidelberg seinen Dienst an.<\/p>\n<div>John Ehret ist einerseits ein &#8220;Bub aus Mauer&#8221;, wie kein Zweiter. Und doch ist der 40-J\u00e4hrige auch ganz anders. Sein leiblicher Vater war als US-Soldat in Karlsruhe stationiert, ein Schwarzer. Mehr wei\u00df Ehret \u00fcber ihn nicht. Seine Mutter war geb\u00fcrtige Deutsche. Sie erkrankte an einem Hirntumor, wie man ihm sp\u00e4ter sagte, und gab ihren Sohn mit zwei Jahren in ein Heim.<br \/>\nJohn Ehret hatte keine guten Startchancen im Leben. Dass er sie doch bekam, verdankt er der Familie Ehret aus Mauer, die ihn mit sechs Jahren adoptierte und ihm ein b\u00fcrgerliches Zuhause gab. Der kleine John war der Star im Ort, der einzige Schwarze. Im Fu\u00dfballverein nannten sie ihn Pel\u00e9. Sein neuer Vater war als Gemeinderat der SPD ein angesehener Mann in Mauer &#8211; einem Ort, der keine nennenswerten sozialen Probleme kannte. Nie, so sagt John Ehret, hatte er Probleme wegen seiner Hautfarbe, oft wurde sie nicht einmal richtig bemerkt. (Ver\u00e4ter anmerk. d. red)<br \/>\n<strong>Kommissar Ehret im Auslandseinsatz<\/strong><\/p>\n<p>Beim Bundeskriminalamt, bei dem er eine Ausbildung zum Kommissar und Diplom-Verwaltungswirt machte, schickten ihn seine Vorgesetzten einmal sogar als Beobachter zu einem Neonazi-Konzert und bedachten offenbar nicht, dass seine Hautfarbe ein Problem sein k\u00f6nnte. Fast 20 Jahre war er beim BKA (als erster Schwarzer nat\u00fcrlich), zuletzt in der Abteilung f\u00fcr politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t.<br \/>\nMehrmals war er in Auslandseins\u00e4tzen: im Auftrag der Vereinten Nationen als Ermittler von Anschl\u00e4gen im Libanon, als Mentor in Sarajevo f\u00fcr den Aufbau der Finanzermittlungsbeh\u00f6rde und als Berater f\u00fcr den Neuaufbau der Polizei in Afghanistan. Von BKA-Chef Ziercke erhielt er daf\u00fcr die Afghanistan-Spange.<br \/>\nJohn Ehret ist ein Mann, der viel gesehen hat. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war er seinem Heimat\u00f6rtchen immer sehr verbunden. &#8220;Als ich sah, dass ein neuer B\u00fcrgermeister gesucht wurde, weil der alte ein Amt in einer Nachbarstadt annahm, z\u00f6gerte ich nicht lange.&#8221; Doch Ehret &#8220;wollte sich nicht aufdr\u00e4ngen&#8221;, wie er sagt. Er lie\u00df nur Flyer drucken und ging zur Kandidatenvorstellung in die \u00f6rtliche Turnhalle.<\/p>\n<p><strong>Pl\u00f6tzlich ein Vorbild<\/strong>Ehret sagt, mit dem Obama-Slogan habe er nur ausdr\u00fccken wollen, dass er gemeinsam mit den B\u00fcrgern die politische Zukunft gestalten wolle.<\/p>\n<p>Am Wahlabend des 6. Mai versammelten sich 400 Menschen vor dem Rathaus in Mauer. Um 18.45 Uhr nahm der Gemeinderat und stellvertretende B\u00fcrgermeister Joachim Fr\u00fchauf das Mikrofon in die Hand, verk\u00fcndete erst das Wahlergebnis und dann den Sieger. Beifall, Jubel, Freudentr\u00e4nen. Ehret umarmte seine Frau. &#8220;Egal ob ihr mich beim B\u00e4cker, beim Einkaufen oder beim Spazierengehen trefft, bitte erz\u00e4hlt mir, wo der Schuh dr\u00fcckt&#8221;, sagte Ehret auf der B\u00fchne. Doch zun\u00e4chst will er in seine Aufgaben hineinwachsen.<\/p>\n<p>Und dann ist da auch noch die andere Sache. Pl\u00f6tzlich ist er, der nie gegen Diskriminierung k\u00e4mpfen musste, ein Vorbild f\u00fcr schwarze Menschen in Deutschland, jemand, der zeigt, was m\u00f6glich, ja normal geworden ist im Land. Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Sache der Schwarzen in Deutschland m\u00f6chte er dann aber doch nicht sein, sagt er. &#8220;Daf\u00fcr f\u00fchle ich mich zu deutsch.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ort bei Heidelberg hat den ersten schwarzen B\u00fcrgermeister Baden-W\u00fcrttembergs gew\u00e4hlt. John Ehret war schon als Kind ein Star in der Gemeinde Mauer, arbeitete sp\u00e4ter beim BKA. Seine Hautfarbe war nie ein Problem, sagt er. 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